Kultbuch: Die Guten, die Bösen und die Toten
Der Geheimorden der „zwôzal wildenære“, auf Neuhochdeutsch „Das wilde Duzend“, hat sich zur Aufgabe gemacht, die Geheimnisse der Literatur- und Kunstgeschichte aufzudecken und verschollen geglaubte oder unbekannte Manuskripte zu einer Rezeption zu verhelfen. So geschehen mit dem Autor dieses Buches Johan von Riepenbreuch, jüngster Mitglied einer verarmten Adlesfamilie, der im ausgehenden 19. Jahrhundert geboren wurde und mit 20 Jahren vor einer arrangierten Ehe nach London floh. Dort schrieb er die Schreckens-Chronik inspiriert durch die damals herrschenden okkulten Trends der Totenbeschwörung, Mesmerismen, aber auch Totenfotografie. Dann verschwand er spurlos. Erst ein Jahrhundert später konnte sein Manuskript wiedergefunden werden.
„Die Guten, die Bösen und die Toten“ wurde illustriert von Ebeneeza K., die laut Angaben des Buchdeckels die Nachfahrin Johann von Riepenbreuchs ist. Für das zarte Gemüt ist das Buch nix, schließlich werden vor allem die merkwürdigsten und unglücklichsten Tode von Kindern beschrieben, die im 19. Jahrhundert noch Gang und Gäbe waren. Ein Thema ist die Sitte der Totenfotografie. Zu dieser Zeit war die Kindersterblichkeit noch sehr hoch und so war es üblich, das Verstorbene zu drapieren und ein schönes Bild zu machen. Für Zartbeseidete bleibt auch das Thema der Lobotomie noch ertragbar, bei der aus Therapiezwecken Nervenbahnen durchtrennt werden, um das gesellschaftlich unkorrekte Kind gefügig zu machen. Weiter geht es zu stets sehr unglücklichen Unfällen, über rigorose Erziehungsmethoden, die kleine Seelenwracks hinterlassen bis hin zum Kindermord.
Unbedingt lesenswert ist dieses Buch auf jeden Fall. Doch vor allem ist es schauenswert, denn Ebeneeza K. bebildert das schmerzhafte und schaurige Thema mit beeindruckenden, düsteren Illustrationen, deren Menschen man nicht in die Augen schauen will. Ein Buch, das zu den Kultliteraten gehört. Sehr gut.
Übrigens eröffnet der Verlag am 1. Oktober den ersten „Das wilde Dutzend“ Laden in Berlin. Mehr über den Verlag erfahrt ihr auf www.das-wilde-dutzend.de, wo ihr auch das Buch bestellen könnt. Danke auch an Blogg dein Buch, die uns dieses Rezesionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.




